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Deutsche Sprachzwillinge & Wortpaare

effektiv vs. effizient | das Gleiche vs. dasselbe

Stolpersteine der deutschen Sprache, die es in sich haben!

Sprachzwillinge richtig eingesetzt

wortpaare, Seltsame deutsche Sprachzwillinge & Wortpaare

Zum Glück dürfen Werber, Texter, Content-Strategen und Journalisten wesentlich mehr als Germanisten. Neue Wörter zusammenfügen oder erfinden beispielsweise. Wie Modezar oder Literaturpapst, swiffern oder googeln. Man nennt das dann kreative Freiheit. Spätestens aber wenn diese Wörter Aufnahme in den allgemeinen Sprachgebrauch finden und im Wörterbuch landen, nennt man sie Neologismen.

Zwischen Wortklauberei und Nachlässigkeit

Neologismen heißen Neologismen – jedoch nur so lange sie auch tatsächlich verwendet werden. Wörter nach denen kein Hahn mehr kräht, nennt man nämlich Archaismen. Sie beschreiben einen altmodischen Wortschatz, der von jüngeren Generationen kaum noch verwendet wird. Behände oder derohalben, Depesche oder Menetekel beispielsweise.

Stilblüten im Schreib-Alltag

Dann gibt es Wörter, die “doppelt gemoppelt” sind. Doch keine Sorge, Sie müssen sich nicht mit diesem Archaismus herumschlagen. Auch dafür gibt es ein feines Fremdwort. Die Rede ist von Plenoasmus. Dieser schleicht sich oft und gerne in unser Alltagsdeutsch ein. Schon eine Ahnung, was dies sein könnte? Genau! Der weiße Schimmel, die blaue Blue Jeans und der schwarze Rabe. Also eine überflüssige Verwendung sinngleicher Ausdrücke.

In ihrer vorhin genannten, plakativen Form sind diese relativ einfach zu erkennen. Aber was ist mit Pulsschlag, stillschweigend und tagtäglich? Oder dem Augenoptiker und dem Gratis-Geschenk? Doch keine Sorge, wird der Pleonasmus bewusst als Stilmittel eingesetzt, hat er eine verstärkende oder besonders hervorhebende Wirkung. Geschieht er willkürlich, ist er nicht mehr als eine unnötige Stilblüte.

Bedeutet effektiv und effizient das Gleiche?

Anders sieht es mit der falschen Verwendung von Begriffen aus. Gerne vertauscht werden beispielsweise effizient und effektiv oder das Gleiche und dasselbe. Viele denken auch, dass diese Wörter dieselbe Bedeutung haben. Nicht ganz.

Kurz gesagt bedeutet Effektivität, die richtigen Dinge tun. Effizienz bedeutet wiederum, die Dinge richtig zu tun. Konkret: Bei der Effektivität geht es darum, die Dinge zu tun, die Sie einem Ziel näher bringen. „Effektives Arbeiten“ bedeutet also, jene Maßnahmen zu ergreifen, die einen auch wirklich weiter bringen. Wenn Sie zum Beispiel Ihr Englisch verbessern möchten, dann ist es “effektiv” für einige Zeit in London zu leben? Sich dort allerdings nur mit deutschsprachigen Freunden zu treffen, ist es das eher nicht. Hier wäre es “effizient”, sich mit vielen Natives auszutauschen und einen Kurs zu besuchen.

Man kann somit effektiv und effizient auch als aufeinanderfolgende Schritte betrachten:

  1. Was müssen/können wir “effektiv” tun, um unser Ziel zu erreichen?
  2. Wie können wir das Ziel möglichst “effizient” erreichen?

Beruhigend: Laut Duden dürfen die beiden Begriffe synonym verwendet werden. Professioneller ist es allerdings, sie richtig anzuwenden.

Gleichen sich NICHT: das Gleiche und dasselbe

Ähnlich sieht es bei den Begriffen dasselbe und das Gleiche aus. Der-, die-, dasselbe besagt, dass etwas identisch ist, während der, die, das Gleiche meint, dass sich zwei unterschiedliche Dinge aufs Haar gleichen. Dasselbe gibt es also immer nur einmal, während das Gleiche gewissermaßen ein Duplikat, ein Klon ist.

Beispiel: Sven und Stefan trugen beiden die gleichen Hosen, hatten aber dasselbe Ziel. Das heißt, die beiden hatten idente Kleidung an, während sie auf ein (dasselbe) Ziel, beispielsweise ihre Lieblings-Bar, zusteuerten. Auch hier gilt: Seit der Reform der deutschen Rechtschreibung wird diese Regelung nicht mehr so streng genommen, da sich der Sinn meist aus dem Kontext erschließt. Allerdings ist hier die Verwechslungsgefahr höher.

Eine einfache Eselsbrücke: Zwillinge gleichen sich, sind aber nicht dasselbe (dieselben).

Wortpaare Zusammenfassung

Entgegen anders lautender Gerüchte, wurde die deutsche Sprache nicht erfunden, um uns zu ärgern. Vieles wird heutzutage auch nicht mehr so streng gesehen wie vor der Rechtschreib-Reform von 1996. Und spätestens seit deren Überarbeitungen 2004 und 2006 gilt vieles eher als Empfehlung, denn als Norm. Dennoch sollten wir, die wir beruflich mit Sprache zu tun haben, bewusst deren sorgsamen Umgang pflegen. Stilblüten schleichen sich ohnehin noch genug ein. Bewusst oder unbewusst. Schließlich reiten wir doch alle gelegentlich in der gleichen blauen Blue Jeans auf demselben weißen Schimmel gegen Osten in den Sonnenuntergang. Oder?

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Sie finden es effektiver sich nicht länger mit diesen Spitzfindigkeiten aufzuhalten und suchen nach einer effizienten Lösung?

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