Lesezeit: 7 Minuten

Nachbarschaftshilfe in der Krise

Coronakrise: Diese Plattformen koordinieren die Nachbarschaftshilfe

Wie und welche Online Plattformen zur Nachbarschaftshilfe beitragen. Jetzt ist Helfen statt Reden angesagt!

Nachbarschaftshilfe, Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise

Die Solidarität in Krisenzeiten ist groß in Österreich. Viele Menschen bieten in der Corona Krise ihre Hilfe an. Diese digitalen Plattformen vermitteln Hilfe in der Not, da wo sie gebraucht wird. Von der Unterstützung von Risikogruppen bis zu Unternehmen.

Wie wirkt das Corona Virus auf das soziale Leben?

Das Corona Virus ist nun auch in Österreich angekommen. Innerhalb weniger Tage hat sich das Leben, wie wir es kannten komplett verändert. Die Coronakrise schafft nicht nur in den Krankenhäusern und in der Wirtschaft große Probleme, sondern betrifft auch das alltägliche Leben der Österreicherinnen und Österreicher.

Was vorher ganz selbstverständlich war, ist es seit gut zwei Wochen nicht mehr. Einkaufen gehen, die (Enkel-) Kinder betreuen, mit dem Hund spazieren gehen: Viele Menschen in Österreich sind in dieser Hinsicht aktuell auf Unterstützung durch andere angewiesen. Und hier zeigt sich die große Solidarität der österreichischen Bevölkerung. Zahlreiche digitale Plattformen wurden ins Leben gerufen. Dort kann man sich als HelferIn oder Hilfesuchende anmelden und wird dann vernetzt.

Unter den Hashtags #nachbarschaftshilfe und #nachbarschaftschallenge finden sich in den Sozialen Medien zahlreiche Angebote, ebenso wie in lokalen Gruppen auf Facebook, Whatsapp und Instagram.

Warum eine Plattform zur Nachbarschaftshilfe nutzen?

Lokale Initiativen begannen gleich zu Beginn der Krise Flugblätter zu verteilen, auf denen sich HelferInnen eintragen konnten. Diese wurden dann sichtbar in Wohnhäuser oder im öffentlichen Raum platziert. Hier stellt sich die Frage, ob das datenschutzrechtlich klug ist.

Auch auf einigen laienhaften digitalen Plattformen sieht man das Phänomen von öffentlich einsehbaren Klarnamen und Telefonnummern. Da es in der momentanen Situation wohl kaum zu rechtlichen Überprüfungen kommen wird, ist man als NutzerInnen gut beraten sich selbst zu überlegen, wo man sich anmeldet.

Vorteile von Online-Plattformen für Hilfe in der Not

Innerhalb kürzester Zeit sind mehrere neue Plattformen entstanden, die Gesuche und Hilfsangebote koordinieren und beide Seiten digital vernetzen. Angesehene Hosts, wie der Radiosender Ö3 oder das Österreichische Rote Kreuz zählen zu den bekanntesten Initiatoren.

Wie vorhin angesprochen ist es sinnvoll eine Plattform zu nutzen, die nur Daten an Hilfesuchende vermittelt und diese nicht öffentlich darstellt. Die Plattform fungiert hierbei als Schnittstelle.

Ein weiterer Vorteil ist die Geschwindigkeit der Vernetzung. Durch die Zuordnung auf der Plattform können Kontakte passender Personen viel schneller hergestellt werden. Auch ist hier viel besser ersichtlich, wenn das Verhältnis einer Gruppe zu groß oder zu klein wäre. Also, wenn sich zum Beispiel zehn HelferInnen melde und nur eine Person versorgt werden muss. Diese Ressource könnte man durch die Plattform sinnvoller koordinieren.

Hilfsinitiativen organisieren und vernetzen: Rotes Kreuz, Caritas & Medien

Welches Plattformen gibt es in Österreich?

Wir stellen Ihnen hier die wichtigsten Plattformen unterschiedlichster Art in Österreich vor. Es haben sich eine Hand voll hervorgetan, wobei man auch die eine oder andere kleine Initiative in Betracht ziehen kann. Hierbei handelt es sich oft um bemühte Vereine, die sich schon vor der Zeit des Corona Virus um die BewohnerInnen in ihren Vierteln gekümmert haben.

Team Österreich: Das Österreichische Rote Kreuz und der Radiosender Hitradio Ö3 habe sich hier zusammengetan und eine Plattform geschaffen. Es gibt 3 verschieden Anmeldungsmöglichkeiten. Als TeilnehmerIn wählt man die gewünschte Kategorie und füllt dann ein Anmeldeformular aus. Datenschutzrechtlich werden hier alle Regeln eingehalten. Die Daten werden nur verwendet, wenn sie notwendig sind und die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Auch wird man genau darüber informiert, welche Informationen zugesendet werden könnten und man kann die Auswahl personalisieren.

Nachbarschaftshilfe, Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise

Quelle: Team Österreich

Corona Nachbarschaftshilfe: Die Corona Nachbarschaftshilfe in Österreich wurde ins Leben gerufen. Junge Menschen helfen Risikogruppen durch die Zeit während COVID-19. Inspiriert wurde diese Initiative durch Natascha Strobls #Nachbarschaftschallenge. Man kann sich als HelferIn oder Hilfesuchende anmelden. Dabei sind einige Informationen bekannt zu geben. Bei genauem Hinsehen dürfte es datenschutzrechtlich in Ordnung sein, doch leider sind die Felder etwas irreführend und wenn man nicht genau liest gibt man sicher mehr preis, als notwendig wäre. Auch wird nur ein kleiner Hinweis zur Verwendung der Daten auf der Website angeführt und keine Möglichkeit angeführt wie man sich wieder abmelden kann. Hier herrscht sicher noch Nachholbedarf. Sehr User freundlich ist die Österreichkarte auf der Startseite. Hier sieht man auf einen Blick die Helfenden. Deshalb nochmal der Hinweis: bei Anmeldung auf Klarnamen verzichten, sonst ist das in der Karte ersichtlich. Alternativ reicht bestimmt ein Vorname oder Beschreibung der Hilfeleistung. Geworben wird auf der Website auch mit der Caritas, wobei hier keine direkte Verbindung erkennbar ist.

Nachbarschaftshilfe, Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise

Quelle: Corona Nachbarschaftshilfe in Österreich

Caritas: Natürlich darf auch eine der größten Hilfsorganisationen Österreichs nicht vergessen werden – die Caritas. Mit der Initiative #TeamNächstenliebe rufen sie dazu auf, dass andere Projekte sich bei ihnen melden sollen um in die Liste der Caritas aufgenommen zu werden und somit noch leichter zu finden sind. Hier findet man auch Vorlagen für Aushänge im Wohnblock und die Leitlinien.

Nachbarschaftshilfe, Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise

Quelle: Team Nächstenliebe

Natürlich findet man auch auf den großen Social Media Plattformen viele Angebote um Nachbarschaftshilfe zu leisten. Auf Facebook finden sich vor allem lokale Gruppen, in denen man sich melden kann. So zum Beispiel die Gruppe “Corona Nachbarschaftshilfe Tirol”, die schon über 4.000 Mitglieder zählt. Auch eine Möglichkeit ist die Verwendung des Hashtags #Nachbarschaftshilfe, entweder in der Suche oder um eigene Angebote zu markieren. Mit dem gleichen Prinzip findet man Gleichgesinnte auf Instagram. Hier findet man unter besagtem Hashtag unzählige Beiträge zum Allgemeinwohl. Egal ob man daraus seine Inspiration zieht, seine Unterstützung anbieten möchte – auf jeden Fall ist es eine gute Sache für das Allgemeinwohl.

Jeden Tag kommen viele neue tolle Initiative und Projekte hinzu. Dies sind nur einige der wichtigsten. Bei näheren Fragen zu regionalen Hilfsprojekten bitten wir Sie uns direkt zu kontaktieren.

Wichtige Punkte

Welche wichtigen Punkte gilt es zu beachten, wenn man vorhat sich online für Nachbarschaftshilfe zur Verfügung zu stellen?

  • Ort

    Regional oder landesweit. Informieren Sie sich im Vorhinein. Aufgrund der aktuellen Gesetzeslage kann man nur Menschen in unmittelbarer örtlicher Nähe helfen.

  • Datenschutz

    Achten Sie darauf, dass Ihre Daten sicher geschützt sind.

  • Funktionalität

    Wie einfach ist es über die Plattform in Kontakt zu treten?

Was Sie noch tun können

Hilfeleistung kann nicht nur in Form von Nachbarschaftshilfe stattfinden. Angefangen von den grundlegendsten Regeln, an die man sich momentan halten soll, wie Abstand halten, Händewaschen und zu Hause bleiben, kann man trotz allem seine Mitmenschen unterstützen.

Dadurch, dass alle Geschäfte geschlossen bleiben müssen, bricht vielen Unternehmen der Umsatz weg und sie kämpfen bereits jetzt ums Überleben. Auch hier können kleine Gesten schon dazu beitragen, dass in einigen Monaten das Lieblingscafé oder der kleine Bioladen ums Eck wieder eröffnen können. Achten Sie beim Einkauf im Supermarkt und vor allem online auf das Angebot regionaler Nahversorger. Kaufen sie bewusst ein, da sie die Wirtschaftsleistung in Ihrer Region oder in Ihrem Land dadurch zumindest nicht zusätzlich schädigen. Und um Ihren Dienstleister wie Friseur oder Caféladen zu unterstützen gibt es die Möglichkeit Gutscheine zu kaufen, die man dann zu einem späteren Zeitpunkt einlösen kann. In diesem Sinne #shoplocal und #wirstehenzusammen!

Hier eine kleine Auswahl, wo Sie regionale Ware finden:

  • Steirisch kaufen: Auf der Website der Wirtschaftskammer Österreich finden Sie eine umfassende Auswahl an regionalen Anbietern, in diesem Fall aus der Steiermark. Es gibt ein spezielles Angebot für Ostern. Weiters finden Sie hilfreiche Links zum regionalen Onlinekauf, Lieferservices, Notdienste und Dienstleistern.
  • Marktplätze über bekannte Printmedien: Die Kleine Zeitung und ihre kleine Schwester Futter haben es sich zur Aufgabe gemacht Menschen in der Krise zu vernetzen. Sei es im Handel oder Dienstleister. So wurden die Initiativen #shoplocal und #wirstehenzusammen ins Leben gerufen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Angebot an Online Plattformen für Nachbarschaftshilfe seit dem Ausbruch der Corona-Krise ständig zu nimmt und es bereits ein großes Angebot an Plattformen gibt. Das zeigt, dass viele ihrer Solidarität Ausdruck verleihen und in harten Zeiten zusammen halten und zusammen helfen wollen. Orientieren Sie sich an den bekannten Hilfsorganisationen, um seriöse Plattformen auszuwählen. Hier arbeiten Profis, die Erfahrung mit Krisen verschiedenster Art vorweisen können und wissen worauf es ankommt. Abseits davon gehen Sie vorsichtig mit Ihren Daten um. Es müssen nicht immer alle persönlichen Daten preisgegeben werden, um aktiv helfen und mitmachen zu können.

“Wir zeigen Respekt und Selbstlosigkeit und stärken so unsere Gemeinschaft. Irgendwann werde man dann zurückblicken auf diesen seltsamen, schmerzvollen, unwirklichen Frühling 2020 und wir werden feststellen: Es ist vorbeigegangen.”

Österreichischer Bundespräsident, Alexander Van der Bellen,
2. April 2020, ORF // Rede zur aktuellen Lage