Instagram Werbung für Produkte ist kennzeichnungspflichtig

Urteil verursacht Angst bei Influencern

Über 200 Abmahnungen vom Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) gegen Influencer wurden bereits bei Gericht eingereicht

Werbung auf Instagram muss gekennzeichnet werden

Kennzeichnungspflicht für Produkt Werbung auf Instagram - Influencer

Umstrittene Kennzeichnungspflicht von Produkt Instagram Werbung innerhalb Sozialer Medien, sorgt für Verwirrung bei Influencern. Die Abmahnwelle des Verbandes Sozialer Wettbewerb (VSW) bezüglich Schleichwerbung trifft derzeit zahlreiche Influencer. Eine davon ist Vreni Frost, die sogar vor Gericht zog. Das Urteil des Landes Gerichts Berlin verunsichert nun zahlreiche Influencer.

Zunächst wollen wir die Ausgangssituation beschreiben. Vreni Frost wurde abgemahnt, aufgrund von Schleichwerbung ihrer Instagram-Postings betreffend. Vreni ist eine erfolgreiche Influencerin mit 55.500 Followern auf Instagram. Sie hat es bis vor dem Urteil so gehandhabt, dass Product Placements, die auch entgeltlich vergütet wurden, als Werbung gekennzeichnet wurden. Die Abmahnung hat jedoch ein von ihr veröffentlichten Inhalt betroffen, worauf sie ein bestimmtes Kleidungsstück trug und den Hersteller mit dem Ort wo sie es kaufte verlinkte. Zudem wurde der Beitrag nicht als Werbung gekennzeichnet. Als Beweis, dass dieses Produkt nicht als Werbung gedacht war, hatte sie noch die Rechnung des selbst gekauften Produktes.

Das Landesgericht Berlin sprach jedoch ein Urteil gegen Vreni Frost und erließ eine einstweilige Verfügung aufgrund unlauteren Wettbewerbs (UWG). Zusätzlich muss sie die Abmahnkosten in Höhe von 178,50 Euro zahlen. Bei Wiederholung, sprich dem Weglassen der Kennzeichnungspflicht eines Produkt Werbung droht einen Strafzahlung bis zu 250.000,- Euro oder gar einer Ordnungshaft.

Unlauterer Wettbewerb bezieht sich auf geschäftliche Handlungen, die einen kommerziellen Zweck dienen, jedoch nicht als solche gekennzeichnet werden. Dabei ist vor allem relevant, dass der Verbraucher dadurch zu einer geschäftlichen Handlung animiert wird, die er ansonsten nicht tätigen würde.

Im Falle Frost, hat sie durch das Posting mit dem Produktbild und der Informationen bezüglich Hersteller und Ort, wo das Produkt zu kaufen ist, dessen Follower animiert, dieses Produkt ebenso zu kaufen. Das heißt, im Grunde fällt darunter jedes Verhalten, das mit der Förderung des Absatzes oder auch eines Vertragsabschlusses in Zusammenhang steht.

Wie ist das Urteil zu verstehen?

Das Landesgericht Berlin hat dazu gemeint, dass Vreni Frost aufgrund ihres Berufes als Influencer eine geschäftliche Handlung zur Förderung des Wettbewerbs vorliegt. Vor allem durch ihre Handlung, die Unternehmen zu Verlinken, habe sie ausgedrückt, dass sie eine geschäftliche Handlung im Sinn hatte. Denn so werden auch Unternehmen auf sie aufmerksam und wenn diese sehen, dass der Produktabsatz durch ihr Posting inklusive Product Placements steigt, erhält sie in Folge vielleicht einen bezahlten Auftrag.
Denn, wenn diese Absicht nicht Hintergrund des Postings gewesen wäre, hätte es auch gereicht, lediglich zu erwähnen wo sie das Produkt gekauft hat.

Zusätzlich spielt ihr Beruf eine Rolle, indem sie durch ihre Anzahl an Follower nicht mehr lediglich als Privatperson betrachtet wird. Sie beschäftigt zudem eine Projektmanagerin und hat einen Firmensitz in einer Agentur. Somit ist ihr Profil und die damit verbundenen Postings geschäftlicher Natur und nicht als “private Empfehlung” zu betrachten. In einem eigenen Beitrag haben wir alles zum Thema Influencer und Influencer Marketing zusammengefasst. Unter anderem klären wir, ab wann ein Influencer als solcher öffentlich anerkannt ist.

Wie Influencer Produkte kennzeichnen sollten?

Orte und Örtlichkeiten: Darunter fallen auch Restaurants, Cafes oder tatsächlich für den Ort selbst. Diese sind zu markieren, da man für diese Orte wirbt und dadurch die Bekanntheit steigt und in weiterer Folge die Besucheranzahl.

Personen: Auch markierte Personen ziehen einen Vorteil aus einer Markierung durch einen Influencer. So wird diese Person interessanter und erhält mehr Follower. Abgemahnt wurde beispielsweise auch eine Influencerin, die ihren Partner, der ebenso Influencer ist, verlinkte.

Marken, Produkte & Labes: zu achten ist auch, wenn das Kleidungsstück, dass man trägt, die Marke bzw. das Logo zeigt.

#hashtags: sind wie Links zu betrachten, weshalb auch diese Postings zu kennzeichnen sind. Voraussetzung ist natürlich hinter dem hashtag folgt ein Produkt, eine Marke, Ort oder dergleichen.

Wie Beiträge gekennzeichnet werden sollten?

Wichtig ist, dass das Posting auf den ersten Blick als Werbung zu erkennen ist. Daher reicht es auch nicht aus, einen #werbung zu platzieren, da dieser übersehen werden könnte. Am besten wird das Wort Anzeige oder Werbung ganz am Anfang des Postings platziert. Wer möchte kann die Unterscheidung für Werbung ohne Auftrag und Werbung mit Auftrag treffen.

Wer nun mit den Änderungen startet, sollte dies auf Instagram besser etappenweise angehen. Influencer berichteten, dass der Account sich aufgehängt hatte, als sie mehr als 50 Postings änderten.

Wichtig ist, dass alle Postings gekennzeichnet werden müssen.

Unser Fazit zum Urteil

Eines kristallisiert sich aus der Berufsgruppe Influencer eindeutig heraus. Ab einer gewissen Anzahl von Followern wird man von Privatperson zur Marke.

Was letztendendes auch Sinn macht, da schließlich tatsächlich eine Einkunft (in Form von Geld oder auch Produkten) aus der Tätigkeit bezogen wird. Dass die Anzahl der Follower der Knackpunkt ist, ist zudem auch erkennbar. Da es bei den Abmahnungen keine Rolle spielt, wie viel Stunden oder wie „professionell“ man das ganze aufzieht.

Vergleichbar, auch wenn ich nur geringfügig angestellt bin, bin ich dennoch angestellt. Sprich, das Argument, dass Influencer zu sein bloß ein Hobby ist, hat keinen Bestand vor Gericht.

Unseres Erachtens gibt es nun 2 Möglichkeiten mit dieser Situation umzugehen, ohne eine Abmahnung zu riskieren:

  1. Product Placements brav markieren bzw. Taggs und Links weglassen oder
  2. Druck auf Instagram ausüben, dass man als Influencer ein Profilupgrade erhält, wobei die Kennzeichnung von Product Placemtns automatisch erfolgt.

Eines ist sicher, besser ist, man kennzeichnet alle Product Placements, da bekannt ist, dass jetzt schon über 200 Abmahnungen des VSW seit 2017 am Landesgericht Berlin eingegangen sind. Bestimmt geht diese Abmahnwelle weitere.

Sie wollen wissen, ob Ihre Beiträge und Postings sauber gekennzeichnet sind? Wir prüfen das gerne.