Futurezone Titelbild Feed Fallback

Neues Bonusprogramm Jö-Club von Rewe ist bedenklich

vor allem aus Datenschutzsicht – so die Konsumentenschützer

Der Verein für Konsumenteninformation VKI warnt vor “Jö”, dem neuen Bonusprogramm des Rewe-Konzerns. Vor allem beim Datenschutz habe man Bedenken, weil man nicht wirklich nachvollziehen könne, wie die Daten verwendet werden. Laut Walter Hager, VKI-Experte für Finanzdienstleistungen, existieren Kundenkarten und Co nur, um Daten über Konsumenten zu sammeln. „Je mehr Daten generiert werden, desto gefährlicher wird es.“

Der Bonusclub bekräftigte heute, keine Kundendaten an Dritte weiterzugeben und Daten nicht übergreifend auszutauschen. „Unsere Partnerunternehmen sehen jeweils nur ihre eigenen Kundendaten“, so Ulrike Kittinger, Geschäftsführerin von “Jö”. Mit den Daten könne man das Kundenverhalten analysieren und Kundensegmente bilden, denen man dann spezielle Vorteile anbiete. Individuelle Angebote bekomme man aber nur, wenn man das wünsche, sagte Co-Geschäftsführer Mario Günther Rauch.

“Der Kunde zahlt mit seinen Daten für das Bonusprogramm, sie werden nicht zufällig gesammelt. Fest steht, dass sie bei einer übergeordneten Stelle zusammenlaufen und man nicht genau weiß, was mit ihnen passiert”, so Hager. Erschwerend komme hinzu, dass derartige Kundenbindungsprogramme den Eindruck erwecken würden, dass man immer günstig einkaufe. Das führe dazu, dass mehr und oft zu viel eingekauft werde. Eine tatsächliche Ersparnis sei aber nicht immer gegeben. “Damit ein Händler Rabatte geben kann, muss er erst die Preise erhöhen”, sagt Hager.

Reaktion auf Payback

Gegründet wurde der Payback-Konkurrent des Rewe-Konzerns mit dem Ziel, Österreichs größter Kundenklub zu werden, hieß es am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Bis Jahresende wolle man 3,7 Millionen Österreicher im Programm haben, nach fünf Tagen hatte man bereits eine Million Mitglieder. Insgesamt wolle man innerhalb von zwölf Monaten vier Millionen Konsumenten in den Klub holen – auch mit Zuckerln für die Anmeldung.

Neben Billa, Merkur, Bipa, Penny, Billa Reisen und fast allen Adeg-Kaufleuten sind zum Start des „Multipartnerprogramms“ auch die OMV, Libro, Pagro, Interio und die Bawag mit an Bord. Noch im Herbst soll es eine weitere Partnerwelle geben.

Langfristig will der Handel die allgemeine Aktionsflut in den heimischen Geschäften reduzieren. Der Kunde soll in Summe aber nicht schlechter aussteigen, sondern von individuellen Angeboten profitieren, wird betont. Beim Einkaufen sind die Österreicher von Aktionen und Rabatten getrieben. Im Schnitt hat jeder 14 Kundenkarten im Börserl und erhofft sich dadurch bessere Preise.

Punktesystem

Die “Jö”-Kundenkarte ist nun in 3.000 Geschäften gültig. Bei den Partnern können mit der Karte oder per App Punkte – sogenannte „Ös“ – gesammelt und gegen Vorteile eingelöst werden. Je nach Partner könne man etwa für einen Umsatz von einem Euro oder für zwei Liter getankten Treibstoff ein „Ö“ sammeln. Auch für Vertragsabschlüsse soll es Punkte geben – bei der BAWAG werden für eine Hypothek etwa 10.000 Punkte gutgeschrieben.

Im Gegenzug bietet der Klub unter anderem Boni an, „für 100 Ös erhalten die Mitglieder zum Beispiel 1 Euro Rabatt“. Mit „Rabattsammlern“ soll es im Folgemonat etwa minus 10 Prozent für 125 Punkte bei ausgewählten Partnern geben. Punkte können auch gespendet werden, aktuell an die Caritas und das Rote Kreuz. Zudem sollen die Kunden individuelle Angebote bekommen, betonte Kittinger. Die aktuellen Kundenkarten sollen noch einige Monate gültig bleiben, Punkte können transferiert werden, hieß es vom Partner Bipa.

Billa-Mutter mischt die Karten neu

Jö-Bonus-Club. Mit Partnern und Prozenten will der Rewe-Konzern noch mehr Kunden in die Geschäfte bringen.